Der US-Haushaltsexperte Kent Conrad hat vorgerechnet, dass ein drei Monate andauernder Krieg und fünf Jahre Besatzung im Irak rund 272 Milliarden Dollar kosten würden.
Der Preis für den Wiederaufbau ist darin noch gar nicht enthalten. Profitieren würden von diesem Krieg die amerikanischen Erdölkonzerne. Zweifelhaft ist, ob sie auch nur einen Dollar für die geschundene irakische Zivilbevölkerung ausgeben würden.
Es ist unnötig, im Irak ein weiteres Kapitel der Geschichte vermeidbarer menschlicher Tragödien zu schreiben, zu denen gerade Washington und London in den vergangenen zehn Jahren mehr als andere Staaten beigetragen haben.
Jeden Monat sterben im Irak durchschnittlich 5000 bis 6000 Kinder an Unterernährung, an verseuchtem Wasser und weil Medikamente fehlen. Das haben jene Staaten zu verantworten, die mit ihrer Politik dafür sorgen, dass Ausrüstung und Materialien nicht freigegeben werden.
Durch einen Krieg wird weder das Problem des Terrorismus gelöst noch das Problem der Umverteilung von den Reichen zu Gunsten der armen Länder.
US-Präsident Bush, der unbeirrt weiter auf den Krieg zumarschiert, muss Einhalt geboten werden. Nicht Krieg, sondern soziale Gerechtigkeit ist weltweit das beste Mittel, den Frieden zu sichern. Gerade die Gewerkschaften wissen aus bitterer Erfahrung, dass Terror nicht durch Gegenterror gebrochen werden kann, sondern nur durch vernünftiges, solidarisches Handeln.
Wir werden derzeit Zeuge von etwas, das es in der Geschichte der Friedensbewegung vorher noch nie gab: Das erste Mal stehen Menschen zu tausenden gegen einen Krieg auf, bevor die Bomben fallen, zu einem Zeitpunkt, an dem die Frage von Krieg und Frieden gerade entschieden wird.
"Not in our name" - das Motto der US-amerikanischen Friedensbewegung - schallte am 15. Februar durch alle europäischen Hauptstädte. Nicht nur in Rom, Madrid und London, wo von Seiten der Regierungen uneingeschränkte Solidarität mit der Bush-Administration praktiziert wird in der Einschätzung, nur auf diese Weise weltpolitisch noch mitmischen zu können.
Auch in Paris, Brüssel und Berlin gingen Millionen auf die Straße, obwohl die dortigen Regierungen öffentlich ihre Befürchtung äußern, dass das Ergebnis eines präventiven Angriffskrieges gegen den Irak geopolitische Instabilität und den wirtschaftlicher Niedergang für diese Region bedeuten.
Die gleichen Bilder kamen aus Australien, aus Südafrika, aus Brasilien - weltweit waren in über 600 Städten mehr als 14 Millionen Menschen auf den Beinen. Die Proteste sind seit Seattle und Porto Alegre global geworden.
Nachdem am 15.Februar eine halbe Million Menschen in Berlin auf die Straße gegangen sind, blockierten eine Woche später im Rahmen der Kampagne "resist" über 3.000 Menschen für drei Stunden den Haupteingang der US-Airbase Rhein-Main - die größte Blockade der Friedensbewegung seit den 80er Jahren.
Auch wenn ein Krieg immer wahrscheinlicher wird so gibt es doch auch Zeichen der Hoffnung. Sowohl in der Labour-Party als auch in der britischen und US-amerikanischen Öffentlichkeit rumort es derzeit gewaltig - wenn hier weiter die Stimmung kippt, ist dies wohl die letzte verbleibende Chance, Blair und Bush doch noch von einem Krieg abzuhalten. Große Aktionen Zivilen Ungehorsams können hier sicherlich nachhelfen.
Und wir sind mit unseren Aktionen nicht alleine:
In Italien werden in diesen Tagen massiv Militärtransporte per Bahn blockiert und Hafenarbeiter drohen bei der Verladung von Kriegsmaterial mit Streik.
Auch im eigenen Land bröckelt die Unterstützung für US-Präsident George W. Bush.
Nach den massiven Antikriegsdemonstrationen Mitte Februar hat der US-amerikanische Gewerkschaftsbund AFL-CIO der Regierung in Washington die Gefolgschaft verweigert.
Auch dies ist ein historischer Vorgang. Es ist das erste Mal, dass die Gewerkschaftsführung der Kriegspolitik eines US-Präsidenten widerspricht.
Für den 12. März ist ein nationalen Aktionstag angesetzt an dem in Gewerkschaftshäusern und Betrieben im ganzen Land Kundgebungen und Diskussionsveranstaltungen gegen den Krieg stattfinden werden.
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich habe mich gefreut, dass am 15. Februar in Berlin auch ein Gewerkschaftsvertreter gesprochen hat. Ich habe mir die Rede des Vorsitzender des Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di - Frank Bsirske - sehr genau angehört. Neben einer - wie ich finde - sehr guten Analyse der gegenwärtigen Situation habe ich vermisst, dass er uns auch mitteilt was die Gewerkschaften zu tun gedenken außer zu Demonstrationen aufzurufen und Resolutionen zu verfassen.
Umso mehr freut es mich, dass nun der Europäische Gewerkschaftsbund, zu dem auch wir als DGB gehören, am kommenden Freitag den 14. März zu "Mahnminuten gegen den drohenden Krieg" aufgerufen hat. An diesem Tag werden die Außenminister im UN-Sicherheitsrat zusammen kommen und über das weitere Vorgehen in der Irak-Krise beraten.
In diesem Aufruf heißt es:
"Die deutschen und die europäischen Gewerkschaften sehen mit großer Sorge, dass trotz der weltweiten diplomatischen Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Konfliktes und des millionenfachen Protestes gegen einen Krieg im Irak die Kriegsvorbereitungen der US-Regierung und ihrer Verbündeten weiter fortschreiten und die Möglichkeit einer unilateralen militärischen Operation immer realer wird.
Angesichts der unmittelbaren Kriegsgefahr rufen die deutschen Gewerkschaften alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auf, am 14. März 2003 um 12.00 Uhr für 5 Minuten in allen Betrieben und Unternehmen die Arbeit ruhen zu lassen, um auf diese Weise ihrem Willen nach einer friedlichen Lösung des Irak-Konfliktes Ausdruck zu verleihen.
Wir unterstützen alle friedlichen Mittel, die geeignet sind, die Situation der Menschen im Irak zu verbessern und die dazu beitragen, die Bedrohung in der krisengeschüttelten Region zu beseitigen.
Der DGB wendet sich in dieser Situation abermals entschieden dagegen, diese Ziele mit militärischer Gewalt durchzusetzen.
Die weltweite Auseinandersetzung mit dem Terrorismus und mit den Massenvernichtungspotentialen, insbesondere in Händen von Diktaturen, ist Sache der Völkergemeinschaft und nicht eines einzelnen Landes, auch wenn es sich um die derzeit einzige Supermacht handelt. Der DGB warnt vor den unkalkulierbaren politischen und ökonomischen Risiken, die eine militärische Intervention im Irak mit sich bringt und die zur Destabilisierung des gesamten Nahen Ostens führen können. Schlimmer noch ist, dass die ohnehin leidgeprüfte irakische Zivilbevölkerung die Hauptlast der kriegerischen Auseinandersetzung zu tragen hätte."
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
auch wenn in dem Betrieb in dem ihr arbeitet keine DGB-Aufrufe verteilt werden .... beteiligt euch an dieser Aktion. Es gibt sehr fantasievolle Formen des Zivilen Ungehorsams. Sprecht darüber mit Euren Arbeitskolleginnen und -kollegen, in euren Familien und Bekanntenkreis. Und beteiligt euch auch an der nächsten 24-Stunden Blockade der Rhein/Main-Airbase am 15.März die wieder von "resist" organisiert wird.