Dr. Horst Weidemann

ehemaliger Präses der evangelischen Kreissynode

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Ich wurde gebeten, heute hier in wenigen Worten Stellung zu nehmen, zu dem Unfassbaren, das derzeit im Irak geschieht. Da meine Beurteilung über den Krieg im Irak sich voll und ganz mit den Stellungnahmen der führenden Kirchenmänner unserer christlichen Kirchen deckt, darf ich in meiner Eigenschaft als ehemaliger Präses der evangelischen Kreissynode und derzeitiger Kirchenältester der Ev. Bonhoeffer Gemeinde dann auch einige Aussagen der Repräsentanten der Kirchen zitieren.

Ich selbst gehöre der Kriegsgeneration an; ich wurde 1942 Soldat und habe die Schrecken des Krieges hautnah erlebt, ebenso wie meine beiden Brüder als Soldaten und meine Eltern mit meiner Schwester auf der Flucht aus dem Posener Land, oder meine Frau, die aus dem Raum Dresden kommt und den Bombenterror erlebt und Gott sei Dank überlebt hat. Nach Kriegsende gilt für uns, gilt für mich uneingeschränkt der Grundsatz und zwar kompromißlos:

"Nie wieder Krieg!"

Was mich zornig machte, und mich schmerzt, ist die Tatsache, dass wir ohnmächtig waren, den Krieg zu verhindern. Wir, d.h. jeder von uns aber auch unser Land und die EU und darüber hinaus die Uno und der Weltsicherheitsrat. Auch auf die warnenden Stimmen der Kirchen wurde nicht gehört!

So haben die Kirchen aller Welt noch am 20. März, den Beginn des Krieges gegen den Irak scharf verurteilt. Der Weltkirchenrat in Genf erklärte den Militäreinsatz im Mittleren Osten als unmoralisch, und der Vatikan bezeichnete die Bombardierung Bagdads durch das amerikanische Militär als illegal, als rechtswidrig.

"Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein"

betonte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Lehmann und der Vorsitzende des Rates der Ev. Kirche in Deutschland Manfred Kock.Und darüber hinaus sieht der Vatikan im Irakkrieg sogar die Gefahr eines "dritten Weltkrieges" und ist besorgt über "eine gewisse Verachtung für das internationale Recht"

Die Stärke des Rechts und nicht das Recht des Stärkeren!

Und trotz aller warnenden Worte der Kirchen haben wir nun Krieg im Irak, mit all den Schrecken für die Menschen, obwohl wir wissen, dass Krieg keine Probleme lösen kann.

Ich darf hierzu das Oberhaupt der Katholischen Kirche Papst Johannes PaulII zitieren:

"Nie können Gewalt und Waffen die Probleme der Menschen lösen" und er vertritt den Standpunkt, dass nur durch Frieden eine gerechtere Gesellschaft zu erreichen sei.

Und der Generalsekretär des nationalen Kirchenrates der USA Bob Edgar befürchtet noch weitere "Erstschläge" der Vereinigten Staaten; und deshalb würde sich die amerikanische Friedensbewegung nicht nur gegen den Irakkrieg wenden, sondern darüber hinaus auch gegen die derzeitige US-Außenpolitik der (angeblich) vorbeugenden Kriege auch gegen andere Länder. Diese Politik sei "nicht akzeptabel", so der Generalsekretär.

Lassen sie mich an dieser Stelle als evangelischen Christen auch meinen Bischof Martin Hein zitieren. Er übte scharfe Kritik an der jetzigen Politik der USA und sagte bei einem Friedensgottesdienst in Kassel:

"Die Torheit scheint sich der Mächtigen in den Vereinigten Staaten bemächtigt zu haben"

Und im Braunschweiger Dom erklärte der Ev. Landesbischof Friedrich Weber, der Krieg bringe Fluch und habe nur einen Sieger, den Tod!

Diesen klaren und unzweideutigen Worten der Kirchenmänner können wir nur zustimmen, und hoffen, dass die politisch Mächtigen und Verantwortlichen diese Worte beherzigen und ihre Politik dananch ausrichten! Abschließend nochmals die mich sehr beeindruckenden Worte der beiden Kichenmänner

"Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein"