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Rede von Weihbischof Johannes Kapp

zum 60. Jahrestag der Bombenangriffe auf Fulda:

Gemüsemarkt nach dem Bombenangriff
Der Fuldaer Gemüsenmarkt nach den Bombenangrifen am 11.September 1944
Fotos Steyer/Stadtarchiv Fulda

"Als Zeitzeuge des Bombenangriffs, der Fulda am 11. September 1944 heimsuchte, bin ich angefragt und fühle ich mich verpflichtet zu erinnern. Dabei steht mein Einzelerleben sicher für viele andere, die ähnlich berichten könnten.

Wer war ich an diesem Tag? Von meinem diesjährigen Geburtstag her wissen Sie: ein Fünfzehnjähriger, dazu ein Obertertianer des Gymnasiums, der heutigen Dalbergschule, am damaligen Kaiser-Friedrich-Platz, heute Universitätsplatz.

Gewohnt habe ich nicht, wie die meisten meiner Mitschüler, im Elternhaus, sondern im nur gut 100 Meter entfernten Bischöflichen Knaben-Konvikt, von den Fuldaern auch mehr oder weniger liebevoll „Hämel“ – Hammelstall genannt. In diesem kirchlichen Schülerwohnheim waren wir damals um die 90 Schüler, vornehmlich aus dem Bistum Fulda mit seinen Gebieten in Hessen und Thüringen, aber auch aus bombenbedrohten und -geschädigten Räumen wie dem Ruhrgebiet.

Wie war ich aus dem nordhessischen Dörfchen Burguffeln im Altkreis Hofgeismar nach Fulda gekommen? – Ja, durch die Nazis, um es ganz kurz zu sagen. Der Lehrer unserer zweiklassigen Dorfschule hielt mich im dritten Schuljahr geeignet für eine Napola, eine nationalpolitische Erziehungsanstalt, also eine vom Geist des Nationalsozialismus bestimmte Schule. Das paßte aber ganz und gar nicht zur kirchlichen Bindung und zur vom Zentrum her geprägten politischen Orientierung meines Elternhauses. Eine Beratung des Vaters mit dem Pfarrer beim sonntäglichen Gottesdienstbesuch in der 9 km entfernten Kreisstadt hielt die Lösung Fulda für richtiger und geboten. So kam ich neunjährig am 11. April 1939 nach Fulda ins Konvikt und ins Gymnasium.

Mit der Zeit habe ich mich eingelebt und nahm der Schulalltag mich ohne Ehrenrunde in Anspruch, dafür kam der am 1. September 1939 begonnene Zweite Weltkrieg uns nicht nur in Nachrichten, Lebensmittelmarken und anderen Warenknappheiten, sondern auch in Fliegeralarmen und Einberufungen von älteren Mitschülern immer näher. So waren ein Mitschüler, der heute pensionierte Rektor Alois Franz, und ich als Jüngste am 11. September 1944 noch die einzigen Schüler unserer Klasse. Alle anderen hatten schon länger entweder zum Militärdienst oder als Luftwaffenhelfer Stellungsbefehl erhalten bzw. waren gerade eine Woche zuvor zum Schippen an den Westwall verpflichtet worden.

Unser Klassenlehrer, Dr. Sunkel, machte uns zu seinen Assistenten beim fast täglich neu zu erstellenden Stundenplan, weil Lehrkräfte immer wieder urplötzlich eingezogen waren und ersetzt werden mußten, oder wir wurden zu Aufsicht und Latein- bzw. Griechischunterricht in untere Klassen geschickt. Ich wurde als inzwischen ältester Gymnasiast – mit 15! – und in nächster Nähe zur Schule wohnend mit fünf jüngeren Mitschülern unter der Aufsicht eines Lehrers in die Brandwache für unsere Schule eingeteilt.

So waren Verbleib und Dienstbereitschaft in der Schule geboten, als die Sirenen am Montag, dem 11. September 1944, einem herrlichen Spätsommertag, gegen halb 11 Uhr Voralarm gaben. Im Lehrerzimmer trafen wir uns wie üblich mit dem uns an diesem Tag zugeteilten Lehrer, an den ich mich leider nicht mehr erinnern konnte und kann, um uns wieder erzählend oder mit Gesellschaftsspielen die Zeit zu vertreiben – es war ja noch nie etwas geschehen!

Eine Stunde verging, Bomberstaffeln waren nach Mitteldeutschland über uns weggedröhnt. Die zweite Stunde verging, sie waren am blauen Himmel auf dem Rückflug zu sehen – hin und wieder schauten wir mal hinaus – sicher hatten sie ihre Last anderswo abgeladen und waren für uns nicht mehr gefährlich, wie wir vermuteten. Aber immer noch waren Verbände zu hören; so lang hatte der Alarm selten gedauert. Wir hatten mit dem Städteraten angefangen, als kurz vor halb 2 Uhr nach kurzem Pfeifen eine Bombe mit gewaltiger Explosion in unmittelbarer Nachbarschaft einschlug: Scheiben klirrten, Staub wirbelte auf, Bersten und Krachen gingen uns unter die Haut.


Wie wir in den Keller kamen, wo wir uns gleich zutiefst erschrocken und zitternd wiederfanden, weiß ich nicht mehr. Eine zweite Welle ließ uns bald danach mit angsterfüllten Augen zusammenzucken und –ducken, und es dauerte nicht lange, bis die dritte Welle mit ähnlichen Begleiterscheinungen folgte. Danach war es lähmend still, blieb es totenstill. Eine Entwarnung gab es nach meinem Erinnern nicht. Einer von uns traute sich vorsichtig hinaus und kam bald wieder mit der erfahrenen Meldung: Das Konvikt ist getroffen.

Eine Mischung von Gefühlen durchströmte mich, als ich auf dem Weg dorthin war: Was ist passiert? Es war offensichtlich schlimmer und schrecklicher, als ich mir vorgestellt und befürchtet hatte. Soldaten begegneten mir am Eingang – wir hatten damals um die 40 aus dem Lazarett entlassene Frontsoldaten zu weiterer Regeneration bei uns einquartiert – und trugen verwundete und mir zurufende Mitschüler hinaus. Drinnen brachten sie vorsichtig den todbleichen Direktor und legten ihn sterbend auf eine Decke im breiten Flur. Noch während der herbeigeeilte damalige Stadtkaplan Nüdling ihm mit der Spendung der Sterbesakramente im hektischen Trubel beistand, verschied er. Kurz darauf schleppten die Helfer den wohl äußerst schmerzhaft eingeklemmten Assistenten herauf, er schrie furchtbar.

Mein tiefes Erschrecken und eine mich lähmende erste Hilflosigkeit schwanden plötzlich: Du mußt runter, mußt sehen und helfen. Da lagen sie, eingeklemmt und verschüttet unter den Trümmern der durch die Bombenexplosion herabgestürzten Decke, die auch durch die zusätzlichen Stützen im Keller nicht aufzuhalten war und riefen um Hilfe und Wasser, riefen sich gegenseitig, riefen nach ihren Eltern, riefen mit schmerzerfüllter und geschockter Stimme: „der und der neben mir ist tot!“, riefen nach Gott. Einer, Heribert Klöppner, lag bis über den Bauch mit beiden Beinen unter einem großen Betonbrocken und streckte mir die Arme entgegen: „Kapp, hilf mir doch!“ Ich war nicht dazu in der Lage! – Gott sei Dank konnten es unsere Soldaten, die äußerst vorsichtig zu Werke gehen mußten, um nicht durch Befreien und Bergen des einen seinem mit eingeklemmten Nachbarn Schaden zuzufügen.

Welch ein Glück und welch ein Segen, daß wir diese einquartierten Soldaten hatten; sie haben sicher einigen Mitschülern das Leben gerettet. Inzwischen wurden auch die ersten Toten geborgen und auf den frei geräumten Fußboden im Wohnzimmer der Direktorenwohnung gelegt. Mit der Zahl der lebend Geretteten wuchs leider auch ihre Zahl. Dabei wurde festgestellt, daß einige Konvikts-Mitschüler, vornehmlich aus der Oberrealschule, während des Alarms und Angriffs wohl nicht im Hauskeller waren; sie wurden im Luftschutzkeller des Stadtschlosses vermutet, weshalb ich angstvoll und in der Hoffnung, sie zu finden, dorthin raste. Sie waren, Gott sei Dank, verschont geblieben, während der Schloßhof eine wimmelnde erste Sammel-, Such- und Verbandsstelle von Verletzten und Vermißten war.

Zurückgekehrt, wurden gerade die letzten der noch nicht aus den Trümmern befreiten lebenden und toten Mitschüler geborgen und nach oben zu weiterer Behandlung bzw. ins Totenzimmer gebracht. 23 Tote waren es geworden, mit denen ich seit Jahr und Tag zusammengelebt hatte und verbunden war, mit denen ich Freundes- und Familiengemeinschaft geworden war. Ich kannte jeden Einzelnen, und doch hatte ich in diesem Augenblick Last, jeden gleich wieder zu erkennen, so sehr waren sie wohl durch den Luftdruck, der bei der Explosion entstanden war, aufgedunsen und durch Staub und Schmutz verunstaltet. Unter ihnen war auch der Neffe meines Heimatpfarrers. Die Mutter dieses Jungen aus Hagen in Westfalen war gerade zu Verwandtenbesuch im hiesigen Raum und kam in höchster mütterlicher Sorge um ihren Buben, von der Pfortenschwester zu mir geschickt, und fragte nach ihrem Wolfgang. Ich konnte es ihr nicht sagen und habe damals gelogen und gesagt: „Ich weiß nicht, was mit ihm ist.“

Als sie gegangen war, hielt es die besagte Schwester Maria Magdalena für dringend angebracht, den 23 toten Mitschülern angesichts ihrer spürbar wachsenden Entstellung zur weiteren Erkennbarkeit einen Zettel mit dem jeweiligen Namen anzuheften. „Du kennst sie am besten“, meinte sie. Das war wohl das Schwerste für mich an diesem Tag und bleibt mir unvergeßlich.

Es war in der Zwischenzeit 6 bis halb 7 Uhr abends geworden und ich merkte, daß ich seit dem Morgenkaffee nichts mehr gegessen und Hunger hatte. Mit einem Mitschüler, der seinerzeit wie ich eine Verlängerung seines irdischen Lebens geschenkt bekommen hat, habe ich vergangene Woche über diesen unseren 11. September 1944 gesprochen. Seine Beinverletzungen waren so kompliziert und gravierend, daß der Heilungsprozeß mit einer Mehrzahl von Operationen sich bis Weihnachten 1945, also über 1 ¼ Jahre, hingezogen hat. Er erinnerte sich, daß er mich, als er aus dem Konvikt getragen wurde, auf der Treppe sitzen sah: zusammengesunken, den Kopf in stützenden Händen vergraben und schüttelnd über so viel Unheil. So, als wollte ich sagen:

Wie kann man nur Krieg führen? Wie kann man nur so viel junges Leben zerstören?


Heute frage ich: Wie haben wir aus dem 11. September 1944, aus dem 11. September 2001, aus den ersten Septembertagen 2004 in Beslan gelernt? Wie wollen wir lernen? Wie sind wir uns unserer Erbsündlichkeit und Begrenztheit bewußt? Wie auch unserer Gottebenbildlichkeit und damit der Würde und des Wertes jedes Einzelnen? – Erinnern ruft ins Bedenken und Orientieren, vielleicht sogar ins Ändern und Handeln. Ja, ich meine: Erinnern ruft in die Pflicht: Sie, uns, mich. Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit."

Berichte und Fotos zur Gedenkveranstaltung:

http://www.osthessennews.de vom 11.9.04

Bush verkündet Ende der Kämpfe - die Achse des Friedens macht weiter!
Friedenskundgebungen in Fulda 2003 - Bilanz und Perspektive einer Kampagne in der politischen Diaspora

Die Chronik eines angekündigten Krieges begann bereits vor der Wahl von George W. Bush mit dessen programmatischen Äußerungen über seine Kriegsabsichten. Er selbst hat sich gewundert, dass er trotzdem so viele Stimmen erhalten hat. Vielleicht hat er sich auch gewundert über die vielen Stimmen, die ihm aus der ganzen Welt mit unüberhörbarem Protest begegneten, als er den Kriegszug gegen die Schurkenstaaten realisierte. Wochenlange Vorbereitung auf den zu erwartenden Bruch des Völkerrechtes kennzeichnete auch die Aktivität vieler Gruppen, die sich lieber mit anderen Themen befasst hätten. Die "Achse des Friedens Osthessen" wurde als Initiative unterschiedlicher politischer, globalisierungskritischer und Friedens-Gruppen der Region aus attac-Fulda, den evangelischen Christen für Frieden und Gerechtigkeit Petersberg, dem DGB Osthessen, der DKP, der Friedensinitiative Osthessen, den Jusos Fulda, der Politischen Hochschulgruppe an der Fachhochschule Fulda, den Naturfreunden Lauterbach, Pax Christi Fulda und der PDS-Fulda-Lauterbach gebildet. Später stieß noch der kurdische Elternverein hinzu, der die Montagskundgebungen nicht nur mit Folklore bereicherte.

Leider fanden die etablierten politischen Parteien in Fulda nicht den Mut, sich an dem Bündnis "Achse des Friedens" zu beteiligen. Aus Angst vor Berührung mit "Altlinken" und solchen politischen "Schmuddelkindern", die früher über die Kriege einer anderen Hegemonialmacht hinwegzusehen bereit waren, schwiegen sie lieber zu den akuten Problemen, die ihre eigene Anhängerschaft zutiefst irritierten. Auch die lokale Presse scheint bis heute diese politische Aktivität - wegen deren Trägern oder ihrer nicht Merkel-kompatiblen Position ? - im Vergleich zu jedem beliebigen Karnevalshüpfer für kaum berichtswürdig zu erachten. So scheint sich das Fuldaer Establishment weniger vom alten Denken gelöst zu haben, als manche dieser "Unberührbaren" selbst. Vielleicht haben sie auch übersehen, dass der Frieden zwar nicht alles, aber ohne den Frieden alles Nichts ist.

Nach der Beteiligung an der zentralen Kundgebung in Berlin und einigen Veranstaltungen in Fulda, die auf die kommenden Probleme aufmerksam machen sollten (zum Beispiel ein Filmabend: "Hidden Wars of Desert Storm" und ein Vortrag und Diskussion mit dem stellvertretenden Chefredakteur der FR über "Medien und Krieg") konnte die Initiative beachtliche 700 Menschen aller Altersgruppen zur Protestkundgebung gegen den Beginn der Bombardierung Bagdads auf dem Universitätsplatz versammeln.

Zwischen dem "Tag X" am 20. März und dem Ostermontag am 21. April haben in Fulda während des anglo-amerikanischen Krieges im Irak insgesamt 7 Kundgebungen stattgefunden, darunter eine von mutigen Schülern organisierte Demonstration und als Abschluss die Ostermontagskundgebung. Zwischen 700 und 300 Menschen fanden sich jeweils ein, am Ostermontag war es nur noch ein kleiner Kreis.

Viele Schülerinnen und Schüler, Studenten und Studentinnen, Frauen und Männer, die das erste Mal öffentlich zu protestieren wagten, haben neue Erkenntnisse und Erfahrungen gesammelt. Viele haben bemerkenswerte inhaltliche Beiträge geliefert, Ansprachen, Gedichte, Musik, Tänze oder Sketche. Viele Menschen waren persönlich dankbar, dass sie sich mit ihrer Sorge um die Entwicklung der Weltpolitik nicht allein sahen und ihrem Protest gemeinsam Ausdruck verleihen konnten.

So ist "jenseits blanker Zahlenhuberei", wie Stephan Hebel in der FR schreibt, neben der Tatsache auch die Qualität der Demonstrationen zu würdigen - nicht zuletzt unter den spezifischen Bedingungen fuldischer Zurückhaltung gegenüber den "üblichen Verdächtigen" am linken Rand des politischen Spektrums. Und trotz aller Wünsche nach größerer Resonanz auf die Mühen der Organisatoren und aller Einzelnen, die persönliche Beiträge erbracht haben: vor dem Hintergrund einer tief verwurzelten Sympathie mit der US-Armee im "Fulda-Gap" und der entsprechenden Angst, man könne sich womöglich eines undankbaren Antiamerikanismus verdächtig machen, können die Reaktionen - von der widerspruchslosen Kenntnisnahme durch eine von Grönemeyer beschriebene Mehrheit ("Menschen sind wie Kühe. Sie blicken kurz auf und grasen dann weiter...") bis zum bischöflichen Aufruf ("Werden Sie friedenspolitisch aktiv!") insgesamt positiv eingeschätzt werden. Die schönen Augen der Kühe sind schon besser als die Hörner der Bullen, die auf Rot aggressiv reagieren, und ein Bischof, der den Vorsitz der deutschen Sektion von pax christi übernommen hat, muss zum (Friedens-) Gebet nicht mehr den Helm abnehmen.

Die globalisierungskritische Bewegung attac setzt die Proteste gegen hegemoniale Politik und militärische Besatzung im Irak und anderswo auch nach dem Sturz des Regimes von Saddam Hussein fort. Der notorische Völkerrechtsbruch durch den Angriffskrieg wird auch durch den militärischen Sieg und den Sturz der blutigen Diktatur in Bagdad nicht nachträglich legitimiert.

Als Propaganda-Kulisse hat sich längst die Behauptung entpuppt, dass vom Irak eine Gefahr durch Weitergabe von Massenvernichtungswaffen an Terroristen ausgegangen sei. Die globale Erstschlagsstrategie der USA selbst droht, eine Zunahme solcher Waffen in den von der Übermacht bedrängten Staaten herbeizuführen und damit den Weltfrieden ernsthaft zu destabilisieren.

Es ging der Kriegskoalition nie um Menschenrechte und Befreiung: haben die USA doch keine Probleme damit, arabische Scheichs und Diktatoren zu unterstützen, wenn diese nur das US-Militär ins Land lassen und den Zugang zu Ölquellen öffnen. Die vergoldete Statue des auf Lebenszeit gewählten "Präsidenten" Nijasow in Turkmenistan, die sich nach der Sonne ausrichtet, sollte bisher kein US-Panzer umstürzen. Auch die Besatzung des Irak bleibt ein Bruch internationalen Rechts - von Schuld und Schande der unterlassenen humanitären Hilfeleistungen und Auslieferung des kulturellen Erbes an Plünderer einmal abgesehen. Ziel war vielmehr die Verlagerung des hegemonialen Schwerpunktes aus dem mittelfristig unsicheren Saudi-Arabien in den Irak, dessen strategische Vorzüge den Zugriff auf Rohstoffe und Märkte im Nahen und Mittleren Osten längerfristig besser sichern lassen. Erschreckende Äußerungen amerikanischer Politiker in ihrem Siegesgefühl verstärken die Befürchtung, dass die Machthaber hinter dem "frontman" Bush ihren Feldzug für diese Ziele im Nahen Osten und anderen Teilen der Welt fortsetzen werden. So wenig, wie durch eine Äußerung des Herrn Bush über die Beendigung der Kampfhandlungen im Irak die rücksichtslose Umwidmung elementarer Lebensbedingungen Einzelner und ganzer Gesellschaften in verwertbare Elemente eines krankhaft übersteigerten Geschäfts- und Machtinteresses beendet ist, so sehr geht auch unsere politische Gegenwehr weiter: attac wird seine aktive Rolle auch in der Friedensbewegung fortsetzen und insbesondere solche Aktionen unterstützen, die sich gegen die Ursachen von Krieg, Terror und Gewalt richten.

Zugleich mit vielen Menschen in verschiedenen Nicht-Regierungs-Organisationen, den Friedensgruppen und zunehmend bei attac selbst werden wir uns und eine wachsende Zahl von interessierten Menschen darüber informieren, dass und wo Opposition und alternative (Über-) Lebenschancen in der Ellbogengesellschaft des "shareholder value" möglich sind.

Im Rahmen von attac werden wir uns besonders mit den wirtschaftlichen Strategien und Maßnahmen beschäftigen, die unter dem Etikett entwicklungsfördernder Hilfen eher den Charakter von Wirtschaftskriegen gegen die so genannten unterentwickelten Länder haben. Hier wird auch über die Rolle Deutschlands in seiner Verantwortung als Mitglied der "G8" zu sprechen sein.

Die neo-liberale Zurichtung der Welt als Ware findet hier in Deutschland ihren aktuellen Ausdruck im Versuch der Rückbildung des Sozialstaates und seiner Auslieferung an das private Geschäft.

Der Angriff auf den Sozialstaat wird von einer seit der Nazizeit beispiellosen Kampagne gegen die Gewerkschaften begleitet. Unbenommen von allem Erneuerungsbedarf innerhalb der Gewerkschaften gilt es zur Zeit, den Bestand dieser Säule der sozialen Demokratie zu garantieren. Unsere Opposition gegen die als Modernisierung beschönigte "Re-Formierung" der Gesellschaft konkretisiert sich hier im Zusammengehen der Fuldaer attac-Gruppe mit den Gewerkschaften im DGB.

attac hat anlässlich des 1. Mai aufgerufen, gemeinsam mit den Gewerkschaften gegen die Demontage des Sozialstaates zu protestieren und sich an der Kundgebung in Fulda beteiligt.

Der globalisierungskritische Ansatz von attac findet seinen Ausdruck auch in der Zusammenarbeit mit dem Weltladen Fulda und der Eine-Welt-Initiative Bad Brückenau. Neben der gemeinsamen Organisation eines Vortrags- und Filmabends über die Arbeitsbedingungen in der Bananenproduktion in Costa Rica am 30.April in der FH Fulda in Kooperation mit "banafair" e.V. (Gelnhausen) werden weitere Aktionen für den Weltladentag am 17. Mai vorbereitet.

Wie schon in der Arbeit für eine friedliche Entwicklung erweist sich auch hier die Vernetzung der Gruppen mit politischen, sozialen und ökologischen Zielsetzungen inhaltlich und organisatorisch als neue Qualität. Dieses neue, offene Aktionsgefüge ist mehr als die Summe seiner Teile und bietet auch in unserer Region zahlreiche Gelegenheiten, sich jenseits massiver Mehrheiten zu engagieren. Dazu laden wir alle ein, die den Weltveränderern á la Bush und Blair ein Konzept sozialer Demokratie entgegenhalten wollen. Als Nächstes werden wir die Probleme einer friedlichen und gerechten Lösung des Palästina-Konfliktes wieder in den Vordergrund stellen. Hierzu ist unter anderem am 05. Juni eine Veranstaltung geplant. Hinzu kommt das Projekt: "Zeugen des Irak-Krieges": Wir werden Journalisten und Friedensaktivisten einladen, die selbst in der betroffenen Region waren. Entsprechende Hinweise werden rechtzeitig hier und in der Presse erscheinen.

Informationen findet Ihr unter
tag-x.de
montagsdemonstrationen.net
attac
resistthewar.de

Aktion Friedensfahnen an alle Balkons!

Krieg ist keine Antwort!


Danke, denn ohne Sie hätten wir nicht erkannt, dass wir fähig sind, uns zu mobilisieren. Möglicherweise wird es uns diesmal nichts nützen, aber ganz sicher später einmal.

Nun, da es keinen Weg zu geben scheint, die Trommeln des Krieges zum Schweigen zu bringen, möchte ich wie ein europäischer König einst zu seinem Invasoren sagen: „Möge dein Morgen schön sein, möge die Sonne auf den Rüstungen deiner Soldaten strahlen, denn noch am Nachmittag werde ich dich besiegen.“

Danke, dass Sie uns - einer Armee anonymer Menschen, die wir die Straßen füllen, um einen Prozess aufzuhalten, der bereits im Gange ist - erlauben zu erfahren, wie man sich fühlt, wenn man machtlos ist, und aus diesem Gefühl zu lernen und es zu verwandeln.

Paulo Coelho, Offener Brief eines weltbekannten Autors an das Weiße Haus

vollständiger Brief

Die Achse des Friedens Osthessen bildete sich Anfang Oktober 2002 als breites Bündnis gegen den damals schon drohenden erneuten Angriffskrieg gegen den Irak und gegen den sogenannten "Krieg gegen den Terror" der US-Regierung unter George W. Bush. Das Bündnis versteht sich einerseits in der Tradition Osthessischer Friedensarbeit unter Einbeziehung möglichst aller demokratischer Kräfte, andererseits stellen wir uns bewußt in eine Reihe mit den bundesweiten Aktivitäten der Achse des Friedens, die sich um den Bush-Besuch im Mai 2002 in Berlin entfalteten und seither weiter entwickeln und wachsen.

Am 20. Januar 2003 ging die Site der Achse des Friedens Osthessen online. Seither waren bereits über 7.400 Zugriffe und mehr als 2000 von verschiedenen Rechnern zu verzeichnen. Dies sehen wir als Beleg für das große Interesse an unserer Arbeit und ein beachtliches Widerstandspotential gegen Krieg auch in unserer Region. Das ermutigt uns und gibt Anlass zur Hoffnung, dass auch in der hiesigen Öffentlichkeit mit eindrucksvollen Protesten zu rechnen ist.

Lassen wir uns nicht von den Kriegstreibern beeindrucken, beeindrucken wir sie mit unserer lauten Stimme für den Frieden!

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