Hartlef Knoch


Die Speerspitzen der westlichen Wertegemeinschaft haben ihre Ziele erreicht.

Die obersten Weltplünderer USA und Großbritannien wollen nun die Demokratie im Irak einführen. Derweil dürfen die kleineren Ali Babas dem Beispiel der großen folgen und sich mit Gewalt nehmen, was ihnen nicht gehört.

Unter den Augen der US-Truppen geplünderte Krankenhäuser, aus Museen geraubte Kulturschätze, zerstörte Bibliotheken und Verwaltungsgebäude machen ebenso deutlich, wie das beschützte Ölministerium und die gut bewachten Förderanlagen, welcher oberste Wert jetzt als Richtschnur dient: der Marktwert in Pfund und Dollar.

Hat etwa jemand geglaubt, dass die Soldaten der Völkerrechtsbrecher nun für die Einhaltung des Rechts kämpfen würden: „Sehe ich etwa aus wie ein Polizist?“ antwortete ein Soldat, als er gebeten wurde, die Plünderung eines Krankenhauses zu verhindern.

Der Bock eignet sich nun mal nicht als Gärtner. Dennoch: eine blutige Diktatur wurde beseitigt, und niemand trauert ihr nach, auch wir nicht.

Im Fernsehen zeigte man uns tanzende Iraker, die sich bei Bush bedanken. Haben wir etwa zu Unrecht protestiert?

Was darf das irakische Volk nun aber von der gewaltsamen „Modernisierung“ durch die USA erwarten, was wird die amerikanische Variante der Demokratie dem Nahen Osten bringen?

Aber was können wir bei realistischer Einschätzung von der Regierung eines militärischen Giganten erwarten, deren politisches Konzept in den Geschäftszentren der Öl- und Rüstungsindustrie entwickelt wurde? „Maschinengewehr Gottes“ nannte man den Erweckungsprediger Billy Graham, der den verlorenen Sohn George Walker wieder auf den rechten Weg gebracht hat.

Diese Regierung ist es, die ein weiteres Mal die globale Handlungsfreiheit des militärisch-industriellen Komplexes sichergestellt hat: „Enduring freedom“ gegen den Terror der anderen – „Iraqi freedom“ für den ungehinderten Zugang zum Öl und die Freiheit des us-amerikanischen Kapitals in der ganzen Welt – ob diese nun will oder nicht. Was müssen wir befürchten, nachdem die geschäftsführende Interessengruppe den zum Teufel erklärten Hussein durch den Erweckungsprediger Bush jun. nun endgültig austreiben ließ?

Werden jetzt alle „bösen“ Diktaturen, die nicht mitspielen, niedergekämpft?

Werden jetzt endlich alle Massenvernichtungsmittel - wenigstens in den Schurkenstaaten - vernichtet? Werden die belogenen 19-jährigen boys und girls und die lügenden Älteren aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ein goldenes Zeitalter erkämpfen?

Haben die schon von höchsten Mitgliedern der Bush-Administration benannten nächsten Schurkenstaaten, haben vielleicht Syrien oder Persien sicherheitshalber die Lektion begriffen, die Rambo dem Spielverderber Hussein erteil hat?

Leider kann es darauf keine beruhigenden Antworten geben.

Deshalb werden wir weiterhin politisch aktiv sein und mit Millionen anderer Menschen auf der ganzen Welt zu Recht auch weiterhin für eine andere Politik demonstrieren: