Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
ich bin heute morgen und gestern als Mitglied von Pax Christi und attac-fulda in der Achse des Friedens zwei Dinge gefragt worden.
Zum einen: wie fühlen sie sich heute als Mitglied der Friedensbewegung und außerdem als Vertreter einer kirchlichen Friedensbewegung, wie sehen Sie den Standpunkt der Kirchen.
Da der Standort beider Kirchen klar und eindeutig ist: keine ethisch-moralische Rechtfertigung dieses Krieges- ein Standpunkt wie er auch in der Verlesung von zwei Grußworten beider Bischöfe zum Ausdruck kommt, möchte ich zum ersten Punkt: Was fühlen sie und was denken Sie über die Zukunft zurückkommen.
1. Ich und sicherlich auch Sie haben ein Gefühl tiefer Solidarität mit allen Betroffenen beider Seiten, den Schwachen, den Flüchtlingen, den Hinterbliebenen der Soldatinnen und Soldaten.
Besonders eindringlich kommt dies im Appell des Weihbischofs von Bagdad -Shlemon Warundi zum Ausdruck:
"Wir bitten alle: Haben Sie doch Mitleid mit den irakischen Kindern! Haben Sie doch Mitleid mit unseren jungen Leuten, mit unseren Alten, mit unseren Frauen- sie alle sind verzweifelt"
Diese Solidarität ,für die ich heute an Sie, appelliere reicht über den Krieg hinaus und sie muss darüber hinaus reichen
Obwohl die UN diesen Krieg weder billigt, obwohl weder die Bundesrepublik noch andere Staaten diesen Krieg angezettelt oder besonders aktiv mitgetragen haben, fordere ich Sie schon heute auf :
Tragen Sie humanitäre Hilfsaktionen für Flüchtlinge und für den Wiederaufbau mit und werben dafür. Denn genau wie die deutsche Bevölkerung den zweiten Weltkrieg nicht gewollt hat, genau so wenig tut es das irakische Volk.
Seien wir und Sie menschlich!
2. Trotz meinem Zorn und meiner Enttäuschung über die Art und Weise, wie Politiker mit uns umgegangen sind und die Wahrheit und das Recht, hier also besonders das Völkerrecht mit Füssen getreten haben, in dem man die Wahrheit verbog und uns glauben machte, dass alles versucht würde, um eine friedliche Abrüstung des Diktators Saddam Hussein zu erreichen, während das amerikanische Imperium mindestens seit dem 11 September 2001, also seit 1 ½ Jahren diesen Krieg gezielt und ohne jegliche Korrektur vorbereitet hat. Trotz dieser Verachtung für die imperialen Kriegs und Todesplaner habe ich
2.1. eine tiefe Genugtuung darüber, das es zum ersten Mal vor einem Krieg gelungen ist, weltweit so viele Menschen davon zu überzeugen, das ein Krieg, dass heute jeder Krieg politisch und wirtschaftlich dumm ist und gewaltfreie Konfliktlösungen für alle Betroffenen besser sind. Darauf bin ich stolz und ein wenig auch auf die Mithilfe eines technischen System, des Internet zur besseren Vernetzung der globalen Friedensbewegung
2.2 Ich empfinde Genugtuung darüber, dass vor diesem Krieg das Wissen der Menschen um die Zusammenhänge und eine eigenständige Meinung darüber dass es jede Kriegspropaganda und alle Tricks psychologischen Kriegsführung schwer fallen wird dagegen anzukommen und deswegen ein erhebliches Widerstandspotential entstanden ist.
2,3. Ich empfinde Genugtuung darüber, dass sich die Menschen
verschiedener politischer Gruppierungen und Ansichten - auch in Fulda mit dem Namen Achse des Friedens in diesen Tagen enger zusammenschließen und zusammen geschlossen haben und auch bereit sind, Aktionen zivilen Ungehorsams verstärkt mitzutragen. Dass Polizisten und Polizistinnen, die zum Einsatz vor den Toren der Rhein-Main-Air Base abkommandiert sind, offen erklären, dass sie Respekt vor den "Blockiererinnen und Blockierern" haben und sich bei mir vor dem Wegtragen entschuldigen erfüllt mich mit Stolz und Freude.
Die Aufforderung von Naomi Klein aus der amerikanischen Antiglobalisierungs und Friedensbewegung"Das Pentagon setzt auf zivilen Ungehorsam im Irak. Vorbildlich - das sollten auch
wir tun, aber nicht für, sondern gegen den Krieg" treibt mich an an weiteren gewaltfreien Aktionen dieser Art teilzunehmen.
Deswegen fordere ich sie alle auf zu den nächsten Kundgebungen zu kommen. Am kommenden Montag den 24.3 und am 7.4.03 um 17.00 h auf den Uniplatz. Und aller Wahrscheinlichkeit nach auch an allen anderen Montagen bis zum Ender der Kampfhandlungen.
Zeigen Sie außerdem Ihre Meinung durch Leserbriefe, Transparente. Fragen Sie bei den Verantwortlichen in Politik und Kirche nach, warum manche diese Gewaltanwendung notwendig finden.
Fragen sie: Warum solche symbolische Handlungen wie Mahnläuten der Kirchen, Halbmastsetzung der Flaggen wie am 11.9.2001 in Fulda nicht möglich sind. Warum nicht einmal in der Woche ein gemeinsamer ökumenischer Friedensgottesdienst abwechselnd in einer katholischen und evangelischen Kirche möglich ist? Warum Resolutionen gegen der Irakkrieg in der Stadtverordnetenversammlung zwar in Schlüchtern, aber nicht in Fulda zugelassen werden.