Die friedenstiftende Mission der Kirche, die den drohenden Irak-Krieg zu verhindern suchte, war erfolglos. Sowohl die ebenso deutlichen wie eindeutigen Botschaften von Papst Johannes Paul II. als auch die Stellungnahmen der Deutschen Bischofskonferenz (besonders am 20.01.2003) über Monate hin haben den Ausbruch des Krieges nicht verhindern können. Argumente zu einer friedlichen Lösung des Konflikts hatten keine Chance.
Fatalerweise ließen die längst getroffene Entscheidung zum Krieg und der militärische Aufmarsch in der Golf-Region ein "Zurückweichen" nicht mehr zu. Dass das seit Wochen aufgebaute Kriegsmaterial nun zum Einsatz kommt, erschreckt auch deswegen, weil in politischer Hinsicht die Zeit gegen die Führung eines Krieges unter den derzeit gegebenen Bedingungen arbeitete. Die UN-Inspektionen konnten den von den USA erhofften casus belli objektiv nicht liefern. Mehr noch: Den Inspektoren hätte mehr Zeit für die Fortsetzung ihrer erfolgreichen Inspektionstätigkeit gege-ben werden müssen, um die vom Regime Saddam Hussein ausgehende Gefahr ohne Waffeneinsatz zu bannen.
Der Einsatz gegen den Irak läuft dem Ziel einer grundsätzlichen Ächtung des Krieges zuwider und leistet einer "Normalisierung" des Krieges als Mittel der Politik Vorschub. Er ist zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht ethisch zu rechtfertigen, zumal die Bedin-gungen militärischer Maßnahmen als "ultima ratio" nicht gegeben waren, z. B. die Abwehr eines erfolgten oder bevorstehenden Angriffs sowie die Verhinderung eines Völkermordes.
Nicht abzusehen sind die humanitären und politischen Folgen des Irak-Kriegs. Auch wenn die amerikanische Kriegsplanung davon ausgeht, dass der Krieg gegen das Regime und nicht gegen das Volk geführt wird, werden dennoch Tausende Tote zu beklagen sein. Dem irakischen Volk, das über Jahre leiden musste, wird noch mehr an Leiden auferlegt.
Die geostrategischen Erschütterungen in der Region des mittleren und nahen Ostens werden durch den Krieg heftig und nachhaltig sein.
Selbst nach einem erfolgreichen Irak-Krieg würden eine Befriedigung der Region und die Aussichten auf eine demokratische "Öffnung" der islamischen Länder entscheidend von einer befriedigenden Lösung des Nahostkonfliktes abhängen, wofür es momentan keine begründete Hoffnung gibt.
Trotz der bitteren Enttäuschung angesichts des Krieges im Irak gibt es für die Kirche keine Alternative zum Programm der Kriegsächtung und eines gerechten Friedens. Trotz allem: Die Zukunft gehört den Friedfertigen!
+ Bischof Heinz Josef Algermissen Präsident der Deutschen Sektion von Pax Christi